17. Июнь 2005
Ausstellung vom 19 Juni bis 3. Oktober 2005
Ruhig, mit niedergeschlagenen Augen sitzt eine Frau im Zentrum des Bildes und präsentiert auf ihrem Schoß einen unbekleideten Knaben. Das klassische Thema: Madonna mit Kind. Doch in Gottfried Helnweins Gemälde Epiphany I (Die Anbetung der Könige) ist das heilige Paar umringt von Männern in SS-Uniform. Maria und Jesus bewundert und bestaunt von Nazioffizieren - ein Skandal. Zudem blickt das Kind aus dem mit 210 x 333 cm riesigen Bild dem Betrachter direkt in die Augen. Man kann sich diesem Blick nicht entziehen, ist Teil und Täter an dem unerhörten Vorgang bei dem die Grundlagen des Christentums mit dem Terror der jüngsten deutschen Vergangenheit verknüpft sind.
Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus mit Gewalt und Terror und mit dem Schrecken des Holocaust thematisiert Helnwein immer wieder in seinen Bildern. Das zentrale Thema in seinem gesamten Werk ist jedoch das Kind – nicht als unschuldiges und liebenswertes, sondern als verletztes, entblößtes, gedemütigtes und misshandeltes Wesen. Am Schicksal des Kindes führen uns die Bilder Helnweins schonungslos die Leidensfähigkeit des Menschen vor Augen. Das Schockierende seiner Darstellungsweise ist, dass er uns die lieb gewordenen Klischees von der glücklichen Kindheit zerstört und uns Betrachter zu Mitwissern, Augenzeugen und Mittätern macht. “Ich sehe die Welt am liebsten durch die Augen des Kindes. Jedes Erziehungssystem zu allen Zeiten und in allen Gesellschaften hatte immer nur ein Ziel: Menschen gefügig zu machen, sie zu brechen”, sagte der Künstler.
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