06. Июль 1988
Man sieht Stars, die auf der Kante eines ungemachten Bettes sitzen; sie wirken ein wenig ratlos dabei.
Zu jedem dieser Betten-Bilder hat Newton ein zweites Foto gestellt, auf dem die Hand des Porträtierten eine Schublade aufzieht und den Blick auf deren Inneres freigibt, allerlei persönliche Habseligkeiten.
Gerade bei diesem Versuch des Fotografen, das Defizit seiner Arbeiten auszugleichen, wird Newtons Problem überdeutlich: Schubladenguckerei soll den Eindruck von Intimität herbeizaubern.
Aber wer von Newton porträtiert wird, gibt nichts Intimes preis, mag sie auch ihre frische Operationsnarbe vorzeigen (was June Newton tut) oder er den Inhalt seiner Nachttischschublade. Newton geht den Lieblingsposen seiner Kunden auf den Leim.
Gottfried Helnwein, ein anderer Forschungsreisender im Reich der Trivialmythen, der seinen gemalten Porträts lange Fotositzungen vorangehen läßt, hat Mick Jagger als selbstgefällige Rockruine gezeigt, Clint Eastwood als Karikatur eines Macho, österreichische Spießer als gemütliche Ungeheuer.
Helnweins Bilder sind oft erst auf den zweiten Blick als Bosheiten, zu erkennen, deshalb findet er immer wieder Leute, die sich von ihm malen lassen.
Newtons Fotos aber haben keine Geheimnisse. Sie sagen: Das, was wir immer schon wußten, ist die ganze Wahrheit. Aber das ist gelogen.
Deshalb ist es so schön, von Helmut Newton fotografiert zu werden.
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